Die Geschichte der Pfadfinderei

Weltweite Geschichte der Pfadfinderei

Baden Powell als Oberst

Die Pfadfinderbewegung hat ihren Ursprung in England – eigentlich entstand die Idee aber in Afrika.

Am 22. Februar 1857 wurde Robert Stephenson Smyth Baden- Powell in London geboren.
Nach seiner eher schwierigen Schulzeit in einer englischen Privatschule, schlug er eine Militärlaufbahn ein und wurde schließlich von der Stelle weg Unterleutnant der Kavallerie.
In dieser Zeit stach er immer als kameradschaftliche und gewissenhafte Führungsperson hervor. Deshalb wurde er nur wenig später mit der Ausbildung der Pfad Finder (Scouts) betraut, deren Aufgabe darin bestand, feindliches Gebiet auszukundschaften.
Im Oktober 1899 erhielt Baden- Powell den Befehl, die Bürger der afrikanischen Stadt Mafeking mit seinen Scouts zu unterstützen und so lange die Stellung zu halten, bis Nachschub eintrifft.
Vom 11. Oktober an widersetzte sich B. P. 217 Tage der Belagerung durch die Buren, die mehr als doppelt so groß waren, wie seine Einheit und die Einwohner zusammen.
Dies gelang ihm nur durch die Hilfe der jugendlichen Afrikaner, indem sie den Buren durch mehreren Tricks ein fast dreimal so großes Heer vor gaukelten, als in der Stadt tatsächlich war.
In dieser Zeit erkannte Baden- Powell, dass auch Jugendliche Verantwortung übernehmen können. Seine Erfahrung hielt er in seinem Buch „Aids for Scouting“ (Anleitung zum Kundschaften) fest, das mit dem letzten Seesack die Stadt noch verlassen konnte.

Baden Powell als Pfadfinder

Als er aus Afrika erfolgreich zurückkehrte, sah Baden- Powell, dass sich nach seinem Buch mehrere Jugendgruppen gebildet haben. Doch eigentlich waren seine Gedanken für das Militär gedacht.
Entsetzt darüber setzte sich B. P. sofort daran, sein erstes Buch für Jugendliche umzuschreiben.
1907 war es dann endlich so weit und B.P. hielt mit einer kleinen Schar Jungen das erste Pfadfinderlager auf Brownsea Island ab und teste seine Erfahrungen an den Jungs aus, sammelte neue Erfahrungen und ließ sie in sein Buch mit einfließen.

Die Pfadfinder waren geboren!

Und 1908 erscheint dazu passend auch sein Buch „Scouting for Boys“.
Nur ein Jahre später war das erste öffentliche Pfadfinderlager in der Nähe von London mit 11 000 Teilnehmern.

Der Grabstein Baden Powells in Kenia Der Kreis mit einem Punkt darin ist ein pfadfinderisches Wegzeichen. Es bedeutet „Ich habe meine Aufgabe erfüllt und bin nach Hause gegangen“

B.P. wurde in seinem Leben zwar mehrfach geehrt, doch letztlich zog es ihn wieder nach Afrika. In Nyeri/ Kenia starb B.P. als Sir Robert Stephenson Smyth Baden- Powell, Lord of Gilwell, Chief Scout of the World am 8. Januar 1941.

 


 

Geschichte der Pfadfinder in Deutschland

Der Fischreiher – Ein Symbol der Wandervogelbewegung

 

Die deutsche Pfadfinderei wäre nicht die heutige, wenn nicht noch Einflüsse der deutschen Jugendbewegung mit hineingerutscht wären. Bereits 1896 entstand in Berlin der Wandervogel.

Eingeschränkt durch die Gesellschaft der damaligen Zeit in Deutschland, erfuhr die Wandervogelbewegung einen raschen Zuwachs.
Es hieß nun „Hinaus aus grauer Städte Mauern“ in ein freies selbstbestimmtes Leben außerhalb der „Erwachsenenwelt“ welche die Jugend immer sehr einschränken wollte.

Nach dem 1. Weltkrieg war nichts mehr so wie es vorher war, auch nicht innerhalb der Wandervogelbewegung.
Sowohl Pfadfinder als auch Wandervögel kehrten aus dem Ersten Weltkrieg desillusioniert zurück, darüber hinaus war ein Großteil der bisherigen Führer gefallen.
Dadurch veränderten sich die Bünde und die Bündelandschaft. Sie wollten die Gesellschaft von Grund auf verändern.
Die Bündische Jugend war geboren politische Aktivitäten begannen an Bedeutung zu gewinnen. In dieser Zeit wurde das Ideal des Mannes als Ritter, der sich freiwillig der Disziplin und Selbstdisziplin unterwirft, der im Dienst seines Bundes und dessen Zielen steht geprägt.
Wichtig für die Herausbildung der Bündischen Jugend war das Bestreben, zukünftig Gruppen zu bilden, die nicht wie früher im Wandervogel nur aus Jugendlichen bestehen sollten, sondern den Charakter eines Lebensbundes hatten.
Vielen Bünden erschien die erstrebte Bundesgemeinschaft nur in reinen Männer-oder Frauenbünden erreichbar, weshalb partnerschaftliche Bünde von Männern und Frauen stark an Bedeutung verloren. Der Bund war nun nicht mehr nur ein Zusammenschluss von Jugendlichen die der Erwachsenenwelt „entfliehen“ wollten. Sondern das Verständnis für den Bund ging weit darüber hinaus.
Der Lebensinhalt vieler Jugendlicher wurde ihr Bund. Ihre Kameradschaften im Bund und das Leben für den Bund bestimmten diese Phase. Die ersten evangelischen Pfadfindergruppen wurden innerhalb des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) gegründet. 1921 schlossen sie sich zur CPD (Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands) zusammen.
1922 wurde die „Tatgemeinschaft Christlicher Pfadfinderinnen“ in Bayern ins Leben gerufen, die 1933 in Bund Christlicher Pfadfinderinnen (BCP) umbenannt wurde. 1926 gründete sich außerhalb Bayerns die evangelische Mädchenpfadfinderschaft (EMP). Zur bündischen Jugend zählten sich auch Gruppierungen wie die „Weiße Rose“ oder die deutsche Jungenschaft vom 1.11. die sogenannte dj.1.11.

tusk (Eberhard Koebel) – Gründer der dj.1.11 und einer der bekanntesten und schillernsten Personen in der Geschichte der deutschen Jugendbewegung

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte das Verbot der Jugendverbände, und auch die CPD musste ihre unter 18 Jährigen Mitglieder entlassen oder in die Hitlerjugend (HJ) überführen.
1937 erfolgte die endgültige Auflösung der CPD und BCP. Manche Pfadfinderinnen und Pfadfinder setzten jedoch ihre Arbeit im Geheimen fort.
Natürlich wurden auch viele Bünde von der Ideologie des Nationalsozialismus durchtränkt. Denn die Nationalsozialisten machten sich die Strukturen, die Traditionen und den Bund als solches zu eigen. Dies waren aber Zeichen einer allgemeinen politischen Fehlentwicklung in Deutschland.
Als der Nationalsozialismus in Deutschland staatlich etabliert war, zeigte sich genau das Gegenteil von dem was viele der bündischen Jugend unterstellen. Ihr Strukturiertes und organisiertes Umfällt und ihre Traditionen boten den perfekten Nährboden für eine Widerstandsbewegung und zugleich eine Chance für „Andersdenkende“.
Mit der Vorstellung eines Lebensbundes blieb zumindest zum Teil die Gruppe vor Ort widerstandsfähig gegenüber dem totalitären Zugriff der staatlichen Jugenderziehung.

Bereits 1946 entstanden in der amerikanischen Besatzungszone wieder die ersten Pfadfindergruppen. Dem folgte der Zusammenschluss der evangelischen (CPD, BCP und EMP), katholischen (DPSG und PSG) Pfadfinderverbände und des überkonfessionellen (BDP) Pfadfinderverbandes zum Ring deutscher Pfadfinder und zum Ring deutscher Pfadfinderinnen.
Anfang der 50er Jahre erfolgte die Aufnahme der Ringverbände in die Weltverbände WOSM und WAGGS und damit die weltweite Anerkennung.
Die gesellschaftlichen Veränderungen ab Mitte der 60er Jahre gaben den Anstoß zum Zusammenschluss der evangelischen Pfadfinderbünde CPD, BCP und EMP (Evangelischer Pfadfinderinnenbund außerhalb Bayerns) zu einem koedukativen Pfadfinderverband.
1972 schlossen sich in Bayern die CPD und der BCP zusammen. Bundesweit erfolgte die Fusion erst 1973, woraus der VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder) entstand.

Heute sind bundesweit im VCP über 47.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aktiv.
Im Ring Deutscher Pfadfinderverbände und im Ring deutscher Pfadfinderinnenverbände, dem der VCP angehört, sind insgesamt ca. 200.000 Mitglieder vertreten. Weltweit gestalten heute in 216 Ländern nahezu 30 Millionen Kinder und Jugendliche die Pfadfinderbewegung aktiv mit. Diese Bewegung kann aufgrund ihrer Internationalität und ihren unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten als eine multikulturelle Gemeinschaft bezeichnet werden.